Mit Kunststoffen spielen

Hands-on   |   Ypern, Belgien

Der Dozent für Industriedesign, Carl Grimmelprez, aus dem belgischen Ypern, richtete sich nach seiner Karriere im Lehrberuf ein Labor ein, in dem er besondere Prototypen herstellt, so auch ein Kunststoff-Saxophon. Seine Roland-Fräsmaschine übernimmt eine wichtige Rolle im Produktionsprozess.

In einen weißen Stoffmantel gehüllt, bildet Carl den Mittelpunkt eines sehr besonderen Labors, in dem Prototypen aus vielen verschiedenen Kunststoffen und Harzen gegossen werden. Carls große Materialkenntnis, macht ihn für Unternehmen, die Prototypen zukünftiger Produkte fertigen lassen wollen, enorm wertvoll. Nicht selten sind die Entwürfe geheim und es ist das fachmännische Können von Carl und sein Unternehmen Hands-on, das dafür sorgt, dass die Prototypen der Wirklichkeit sehr nahe kommen.

Präzise Formen

Hands-on verwendet Formen, in die Carl die Kunstharze gießt. Die MDX-40A Fräsmaschine von Roland DG fräst diese Formen mit großer Präzision.

Carl: „Ich arbeite nach dem Prinzip „Design durch Prototypentwicklung“. So können wir Designs schneller entwerfen als am Computer. Das erscheint zunächst widersprüchlich. Man sollte meinen, dass es am Computer viel schneller geht. Doch am Computer werden viele Vermutungen als wahr vorausgesetzt, ohne sie in der Realität zu prüfen. So kann es passieren, dass Designer lange einen falschen Weg verfolgen und daher nicht die richtigen Ergebnisse erzielen. Nehmen Sie beispielsweise eine Beleuchtungsarmatur. Wenn neue Entwürfe darin stecken, sollten diese erst getestet werden und erst danach wird die gesamte Armatur konzipiert.“

Materialkenntnis

Carl Grimmelprez unterrichtete 18 Jahre lang Prototypentwicklung. Er stellte fest, dass viel mehr Auszubildende aus dem höheren Bildungsweg und einer eher theoretischen Umgebung kamen als aus Technikfachschulen. Diese Schüler hatten keinerlei Materialerfahrung. „Das gleiche sehe ich bei meinen Kunden. Auch ihnen fehlen die Erfahrung und die Kenntnisse. Was bedeutet, dass sie zu wenige Prototypen herstellen. Das, was ihnen fehlt, kann ich ergänzen.“

Das Verfahren, das Hands-on anwendet, nennt sich Vakuumgießen. In Gussformen aus Silikon gießt Carl Kunststoffe. Für große Serien in industriellen Prozessen fertigt der Fabrikant hierfür eine Gussform aus Stahl. Wenn der Entwurf einen Denkfehler hat, kostet das viel Geld, um die stählerne Form anzupassen. Es ist das Ziel, derartige Fehler in einem frühen Stadium des Entwurfsprozesses zu erkennen.

Einzigartig

„Was wir kreieren ist einzigartig. Häufig benutzen Unternehmen 3D-Drucker für das Erstellen von Prototypen. Das Vakuumgießen werden Sie in Belgien nicht finden, wohl aber in den Niederlanden und Deutschland.“ Aus dem 3D-Druckentwurf macht Carl eine Form mit flüssigen Silikonen. Es entsteht eine Aussparung in Form des Produkts. Dort hinein werden dann Harze aus verschiedensten Zusammensetzungen gegossen. Das Endprodukt kommt dem in Serie zu produzierenden Produkt dann so nah wie möglich.

Glatt fräsen

Hands-on fertigt Silikonformen nicht nur von 3D-Drucken an, sondern auch von Produkten, die mit der Roland MDX-40A Fräsmaschine hergestellt werden. „Fräsen ist interessant, weil dabei sofort glatte Oberflächen entstehen. 3D-Drucke erfordern stets viel Nachbearbeitung.“ Viele der Aufträge kommen aus der Beleuchtungsindustrie und dem medizinischen Bereich. Damit zeigt Carl Grimmelprez, dass alles möglich ist. Er fertigte unlängst Prototypen von Teilen einer Beleuchtungsarmatur sowie einer komplizierten Operationsschere an. Auch spezielle Musikinstrumente arbeitet er aus.

Kunststoff-Saxophon

Carl ist Musiker. Er spielt Saxophon in einer Jazzband. Sein ganz besonderes Projekt ist zurzeit der Entwurf und die Herstellung des Saxophons des 21. Jahrhunderts. „Die Technik, die im Saxophon verwendet wird, ist noch dieselbe wie vor 200 Jahren“, erklärt Carl. „Als echter Belgier glaube ich, dass wir diese belgische Erfindung noch verbessern können.“ Es wird ein Kunststoffsaxophon aus Kompositmaterial.

Der musikalische Erfinder präsentiert stolz die ersten Entwürfe. Letztendlich ist geplant, dieses Saxophon in kleiner Serie auf den Markt zu bringen. „Ein Saxophon muss nicht aus Blech sein. Es gibt Materialien, mit denen derselbe Klang erzeugt werden kann. Ich bin entschieden, diesen Traum wahrzumachen.“ Auch hier sorgt die Fräsmaschine für die Mutterformen und die Teile des Saxophons werden gegossen. Grimmelprez stellte schon früher eine chromatische Mundharmonika aus Kunststoff her. Voller Enthusiasmus gibt er eine Kostprobe des ausgezeichneten Klangs dieses Instruments. „Es ist zugleich eine hervorragende Möglichkeit, um zu zeigen, was wir können. Es geht um minimale Unterschiede und Toleranzen. Hierbei ist es wichtig zu wissen, was diese Unterschiede letztendlich für den Klang und die Bespielbarkeit des Instruments bedeuten.“

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